1997-1999 Haus im Weinviertel - Neubau/Sanierung, Unterolberndorf-A

Lage

Projektbeschreibung

 

Transformation eines bäuerlichen Anwesens:

 

Das Objekt befindet sich in einer kleinen Gemeinde im Weinviertel, ca. 30 km nördlich von Wien.

Die Straße, von der aus die Parzelle erschlossen wird, zeigt ein für die Gegend sehr typisches Bild. Einerseits ist es geprägt von einer bäuerlichen Gebäudetypologie, die sich nach außen hin eher abschließt und über ein großes Einfahrtstor einen Innenhof eröffnet, von welchem die Wirtschafts- und Wohngebäude zugänglich sind. Andererseits ist dieser ursprünglich geschlossene Straßenraum bereits stark verändert, da kein rechtsverbindlicher Bebauungsplan existiert. Viele alte Bauten wurden abgerissen, neue freistehende Einfamilien- bzw. Fertigteilhäuser nahmen deren Platz ein.

Zu Planungsbeginn befand sich auf dem Grundstück ein für die Gegend typischer Bauernhof, bestehend aus einem straßenseitigen Wohntrakt, mit daran anschließenden hofseitigen Wirtschaftsräumen samt Weinkeller. Die Hofsituation wurde vervollständigt durch ein kleines, freistehendes Austragshaus und einem Stadel samt Stall. Die Scheunen der Gehöfte, als reine Holzbauten errichtet, bildeten den rückseitigen Abschluß der Anwesen zu den bewirtschafteten Feldern. Diese Typologie einer hinteren Bebauungskante, die durch die Aneinanderreihung freistehender Holzbauten entstand, ist größtenteils noch erhalten und ablesbar.

Der Wunsch der Bauherrschaft nach einem ökologisch und energietechnisch zeitgemäßen neuen Wohnhaus in Verbindung mit dem Altbestand führte sehr schnell zu der Entscheidung, das alte Bauernhaus samt Weinkeller zu erhalten, die Hofeinfahrt zu überbauen und den Neubau in den vorhandenen Hang so zu integrieren, daß wieder ein großer Innenhof entsteht. Alle übrigen Gebäude, die auf dem Grundstück standen wurden abgebrochen.

Die Überdachung der Einfahrt bedeutete auch, daß sich straßenseitig ein direkter Anschluß zum Nachbargebäude ergab und dadurch die neue Baumaßnahme uneinsehbar wurde, was für die örtliche Baubehörde (Bürgermeister) ausschlaggebend war, dem Projekt zuzustimmen.

Die Erschließung des umgestalteten Anwesens erfolgt nach wie vor durch den Altbau, wobei man zuerst in den Innenhof und in weiterer Folge zum neuen Wohnhaus gelangt, das sich mit großen hofseitigen Glasflächen dem Besucher präsentiert. Energietechnische Überlegungen und die Schaffung einer optimalen Beziehung von Außen- und Innenraum waren die Gründe für das Eingraben

des Neubaues in den südwestlich geneigten Hang. Alle Aufenthaltsräume sind zum Hof hin orientiert.

Eine glasgedeckte Terrasse ist dem Wohn- und Eßraum vorgelagert. Sie ist gedacht als sommerliche Erweiterung des Wohnbereiches, was durch großzügiges Öffnen der Glaselemente mittels Schiebetüren möglich wird. Die niveaugleiche Fortsetzung des Steinbodens (grauer Schiefer) betont hier das Ineinanderfließen von Innen und Außen. Rundholzstäbe an der Unterseite des verglasten Dachbereiches brechen das einfallende Sonnenlicht und sorgen für mediterrane Stimmung.

Einen Kontrast dazu schafft die nordwestseitige Terrasse mit ihrem Holzfußboden und der begrünten Stahlpergola. Es entsteht ein sehr intimer Freibereich, der sowohl in seiner Textur (Blätterdach mit eingelegten Glasstreifen) als auch in seiner Farbgebung (rotes Glas, grünes Gewächs) komplementär gestaltet ist.

Das Niveau des Erdgeschoßfußbodens orientiert sich am anschließenden Gelände. Der Nutzung entsprechend sind dadurch unterschiedlich hohe Räume entstanden: Nebenräume und Schlafzimmer mit niedrigem, die offene Küche samt Wohn- und Eßbereich mit hohem Luftraum. Das Grasdach des langgestreckten Wohn- und Eßzimmers ist durch ein umlaufendes Lichtband von den erdberührten Wänden abgesetzt, so daß eine großzügige Belichtung und Blickbeziehung zum höher gelegenen Obstgarten möglich ist. Eine große, über Eck geführte Fensteröffnung im Obergeschoß, im Bereich der Treppe, bringt zenitales Licht in die erdgeschoßige Diele. Der Blick des Besuchers wird hier ebenfalls auf den hinteren Gartenteil mit dem alten Nußbaum gelenkt.

Ein umlaufender Stahlträger ist hier Traufenelement und faßt erdgeschoßig das Gebäude, die Terrassen und die Pergola zusammen.

Beim Abbruch der vorhandenen Hofgebäude wurden Mauern aus Naturstein freigelegt. Das Material wurde für die neuen Stützwände bei den Terrassen wiederverwendet.

Das Obergeschoß wurde in Assoziation zur vorhandenen Stadel- und Scheunenreihe der Nachbargrundstücke als reiner Holzbau errichtet und beherbergt zwei Kinderzimmer samt Bad und Abstellraum. Die Erschließung erfolgt sowohl über eine Stiege vom Erdgeschoß, als auch über einen eigenen, rückseitigen Garteneingang. Die Gangfläche ist im Obergeschoß als kleine Galerie ausgebildet. Von hier aus entsteht eine Blickbeziehung zur im Erdgeschoß befindlichen Küche.

Das Energiekonzept basiert auf den Prinzipien eines Niedrigenergiehauses. Neben den dafür erforderlichen baulichen Voraussetzungen wie Orientierung des Gebäudes, hohe Wärmedämmung und Speicherfähigkeit (Gründach, erdberührte Wände), ist der Neubau mit einer kontrollierten Beund Entlüftung ausgestattet, wobei die Zuluft zur Vorklimatisierung über einen unter der Bodenplatte geführten Erdkanal vorgewärmt bzw. im Sommer gekühlt wird. Über einen Wärmetauscher wird im Winter die Wärme der Abluft an die Zuluft übertragen.

Als zusätzliche Ergänzungsheizung wurde eine Niedertemperaturfußboden- tlw. mit Wandheizung installiert, die über Sonnenkollektoren, bei Bedarf durch Gas ergänzt, betrieben wird. Aus formalen Gründen wurden Sonnenkollektoren in Vakuumglasröhren verwendet, die flach auf dem Dach des Holzhauses liegen und somit optisch nicht in Erscheinung treten.

 

Gartengestaltung: Maria Auböck, János Kárász

 

Preise, Auszeichnungen

 

2000:  Ausgezeichnet mit dem Niederösterreichischen Holzbaupreis (Sonderpreis für herausragende architektonische Leistung)

 

2001:  Preis des Landes Niederösterreich für vorbildliches Bauen

 

2002:  Auszeichnung „Die Goldenen Kelle“ der Zeitschrift „Niederösterreich schön gestalten“