2008-2011 Bürogebäude Wildbach- und Lawinenverbauung - Erweiterung und Renovierung, Wiener Neustadt-A

Lage

Projektbeschreibung

 

Aufgabenstellung:

 

Ein bestehendes Wohn- und Diensthaus der forsttechnischen Abteilung für Wildbach- und Lawinenverbauung aus dem Jahre 1953, das seit einigen Jahren ausschließlich für Bürotätigkeiten genutzt wird, sollte aus Gründen der Platznot um die annähernd gleiche Fläche erweitert werden. Ein wesentlicher Parameter war die homogene Verschränkung der beiden Bauteile („ALT und NEU“) zu einem Bürogebäude unter Beachtung wirtschaftlicher Überlegungen und einer weitestgehenden Nutzung der im Altbau vorhandenen Ressourcen (z.B. Beibehaltung und Weiternutzung der vorhandenen Heizzentrale, Sanierung und Erweiterung der Sanitärzellen unter Verwendung der vorhandenen Anschlüsse, keine statischen Änderungen etc…).

Die Durchführung des Umbaues in zwei Phasen, bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des laufenden Betriebes, war eine wesentliche Vorgabe des Auftraggebers.

Der vorhandene Baumbestand und der Obstgarten sollten erhalten bleiben.

 

Situation / Grundstück:

 

Das Grundstück befindet sich im Industriegebiet von Wiener Neustadt, an einer Hauptdurchzugstraße (Neunkirchnerstraße). Neben dem bestehenden Wohn- und Dienstgebäude sind im hinteren Bereich des Grundstückes eine Lagerhalle samt Werkstätten und Garagenflächen situiert.

Aus ökonomischen Gründen wurden an der Außenanlage, mit Ausnahme der Schaffung zusätzlicher Stellplätze, nur geringe Änderungen vorgenommen. Die vorhandene Grundstückszufahrt blieb erhalten.

 

Entwurfskonzept:

 

Ein einhüftiger Bürozubau wird an die Südfassade des bestehenden Gebäudes angedockt, wobei die „Nahtstelle“ zu einem neuen Eingangsfoyer wird.

Eine behindertengerechte Rampe, begrenzt von einer gefärbten Sichtbetonscheibe mit integrierter Beleuchtung, überwindet den vom Erdgeschoß des Altbaus vorgegebenen Höhenunterschied und führt unmittelbar zum Bürohaupteingang, der durch das auskragende Dach des Neubaus räumlich gefasst wird. Über eine mit Lärchenholz belegte Brücke, die ein Wasserbecken überspannt, führt der Weg  in eine hölzerne Windfangbox und weiter in das zweigeschossige Foyer. Eine offene Galerie verbindet  im Obergeschoß die beiden Bauteile miteinander.

Im Erdgeschoß des Altbaues ist diesem Empfangsbereich ein größerer Besprechungsraum zugeordnet, sodass bei Veranstaltungen diese Fläche auch als Pausenraum benutzt werden kann. Das Foyer ist auf den beiden Längsseiten zweigeschossig verglast und erlaubt großzügige Sichtbeziehungen zwischen Innen und Außen. Es ist Verteilungs- und Kreuzungspunkt aller vertikalen und horizontalen Kommunikationsströme.

Zwei neu geschaffene Erschließungsgänge im EG und OG verbinden in der Längsachse (Nord-, Südrichtung) niveaugleich den Altbau mit dem Neubau.  Als „Rückgrat“ ermöglichen sie in ihrer Geradlinigkeit, sowohl den Beschäftigten, als auch den Besuchern, eine optimale Orientierung im Gebäude und verbinden alle Funktionsbereiche übersichtlich miteinander. Die beiden Wege sind in verschiedene Sequenzen mit unterschiedlichen Durch- und Ausblicken gegliedert und somit von unterschiedlicher Raumqualität (Sozialraum mit offener Teeküche Altbau / zweigeschossiges Foyer / Bereich Stiegenhaus / einseitig verglaster Gang im Bauteil neue Büros / Pergola gedeckte Holzterrasse).

 

Konstruktion/ Materialien:

 

Der Dialog Altbau-Neubau wird sowohl durch die Materialwahl, als auch durch die Nichtunterkellerung des Neubaues betont. Das Erdgeschoss des Neubaues wurde niveaugleich zum Bestandsgebäude gesetzt und  wird durch seine zurückgesetzte Fundamentmauer zum „Schweben“ gebracht. Dieser Eindruck wird durch eine verdeckt montierte, rundum laufende Beleuchtung bei Dunkelheit noch verstärkt.

Die hell verputzte Lochfassade des Altbaus wird in Kontrast gesetzt zur dunklen, holzverschalten Stahl-/Stahlbeton- Mischkonstruktion. Ein horizontal geführter, thermisch entkoppelter Stahlträger bildet sowohl den oberen Gebäudeabschluss (Traufenausbildung mit zurückgesetzter Attika), als auch den auskragenden Fußpunkt des Neubaus. Er übernimmt teilweise eine tragende Funktion (im Bereich Vordach Haupteingang und südseitige Pergola) und ist im Bereich der hinterlüfteten Fassade auch Verkleidung für die dahinter befindlichen Sonnenschutzlamellen und die indirekte Beleuchtung.

Die Holzverschalung der Fassade wird in den Innenraum des Foyers weitergeführt, um die Verschränkung von Außen und Innen zu betonen. Das Treppenhaus an der Ostfassade ist außen ebenfalls mit schwarz lasierten Holzbrettern verkleidet und in der Mitte durch eine offene Kupferrinne geteilt. Diese entwässert das Stiegenhausdach und leitet das Regenwasser über einen Wasserspeier in den Bodenbereich ab.

Im Innenraum kontrastieren die Holzoberflächen mit Sichtbeton an den Wänden und Decken und mit Nirosta- Glasbrüstungen.

Die Fassade des Neubaus ist monochrom gestaltet (Kupfer-, Holz-, Stahlteile und Aluminiumprofile in dunkelbraun) mit Ausnahme des rot gefärbten, zurückspringenden Sockels und der grün hinterleuchteten Schrifttafel im Sockelbereich der  Sichtbetonmauer.

 

Haustechnik:

 

Da im Altbau sowohl die Heizung, als auch die Sanitärräume (samt Teeküche und Sozialbereich) untergebracht sind, war im Neubau kein wesentlicher Installationsaufwand mehr erforderlich. Im Kellergeschoß und im Dachgeschoß des bestehenden Bürogebäudes ist genügend Abstellfläche vorhanden, sodass auf eine Unterkellerung des Neubaues verzichtet wurde.

Heizung: Gaszentralheizung mit Unterflurkonvektoren vor geschoßhohen Verglasungen in den Büroräumen und Rippenrohrheizkörper in den Erschließungsgängen.

Zusätzlich wurde eine kontrollierte Be- und Entlüftung im Neu- und Altbau vorgesehen. Über ein Luftansaugregister unter dem Zubau wird die Zuluft vorkonditioniert (Vorwärmung im Winter, Kühlung im Sommer) dem Heizkreislauf zugeführt.

 

Daten:

Nettogeschoßfläche Neubau: 325 m²

Nettogeschoßfläche Altbau: 327 m²

 

Preise, Auszeichnungen:

2006:  Wettbewerb 1. Preis

2011:  Preis der niederösterreichischen Landesregierung für vorbildliches Bauen in Niederösterreich