Hauptfeuerwache Leopoldstadt, Wien-A, Geladener Wettbewerb 2004

Projektbeschreibung

 

Die Prämisse des Entwurfs lag in der Entscheidung, die vorhandene Bausubstanz möglichst unberührt zu lassen, um nicht einen aus Sicht des städtischen Maßstabes fragwürdigen Altbestand durch Umstrukturierung und Renovierung für längere Zeit zu verfestigen. Ein kompakter Baukörper entlang der Grundgrenze zur Wilhelmskaserne beinhaltet das gesamte geforderte Raumprogramm und bildet mit dem bestehenden Verwaltungstrakt an der Engerthstraße und dem Feuerwehrturm an der Vorgartenstraße eine funktionale und städtebauliche Einheit. Die restlichen Gebäude entlang der Vorgartenstraße (Sporthalle samt Flugdach, Zillenlager) und der Kafkastraße (Taucher, Fahrzeughalle) bleiben im Wesentlichen unangetastet. Die einzige Änderung ist die Umnutzung der bestehenden Sporthalle als Lager und Werkstatt der Taucher im Anschluss an die vorhandenen Tauchereinrichtungen. Ersatzflächen werden dafür im Erdgeschoß des bestehenden Verwaltungsgebäudes und im Kellergeschoß des Neubaues zur Verfügung gestellt.

 

Die beiden Obergeschoße des Neubaues ragen an der Vorgartenstraße über die vorhandene Baufluchtlinie, um den neuen Museumseingang eine städtische Präsenz zu verleihen. Der Höhenunterschied zwischen Hof und Straße wird im Inneren des Museums fortgeführt. Fünf versetzte Ausstellungsebenen, die zueinander über einen Luftraum in Sichtbeziehung stehen, werden über einen breiten, glasgedeckten „Lichtraum“ miteinander verbunden. Dieser entlang der Grundgrenze zur Wilhelmskaserne situierte Vertikalraum ermöglicht die natürliche Belichtung der im Untergeschoß gelegenen Oldtimer-Ausstellungsfläche. Bereits vom Gehsteig der Vorgartenstraße kann in diesem Bereich ein tiefer Einblick in das Museum gewonnen werden.

 

IMAGE:

 

Die Feuerwehr wird meist mit Schnelligkeit und der Farbe Rot assoziiert. Bei diesem Standort spielt das Wasser noch eine zusätzliche Rolle als Stützpunkt der Wassereinsatzkräfte (Taucher, Zillen, ...). Die Oberflächentextur des zum Hof auskragenden 1.+2. Obergeschoßes reflektiert mit seinen liegenden, konvex-konkav gekrümmten Acrylglaspaneelen dieses Image. Die dahinter befindlichen Räume (hauptsächlich Bekleidungskammer und Garderoben) werden durch horizontale Fensterbänder in unterschiedlichen Höhenlagen belichtet. Der Turnsaal wird zusätzlich mit Oberlichtverglasungen ausgestattet.

Bei Dunkelheit verstärken die leuchtenden Fensterbänder in ihrer unregelmäßigen Anordnung den Charakter der Geschwindigkeit (langzeitbelichtete bewegte Lichtquellen).

 

Aus dieser Hülle ragt ein transparenter Glaskubus, der die Büroflächen der Wacheabteilung, die Bereiche für Ausbildung und das Planungsbüro beinhaltet.

 

FUNKTION:

 

Der Entwurf versucht, eine möglichst große Hoffläche unbebaut zu lassen, um einerseits die erforderliche Rangierfläche für die Einsatzfahrzeuge frei zu halten und andererseits eine vom laufenden Betrieb unabhängige Bauführung gewährleisten zu können. Auch die teilweise Unterkellerung der Hoffläche ist so dimensioniert, dass ein störungsfreier Betrieb möglich ist.

Das Museum wird von der Vorgartenstraße, unabhängig vom laufenden Feuerwehrbetrieb, erschlossen und erstreckt sich über einen Großteil der Kellerflächen und dem westlichen, der Vorgartenstraße zugewandten Gebäudeteil (EG, Mezzanin, 1.OG).

Die Zufahrt für die Oldtimer und das Zillenlager befindet sich in der Engerthstraße an der Stelle der ehemaligen Notausfahrt. Eine Einfahrtsrampe weitet sich im Bereich der Ausstellungsfläche im Untergeschoß zu einer, die gesamten Raumbreite einnehmenden Präsentationsbühne.

 

Die Notausfahrt wird zwischen Neubau und Feuerwehrturm verlegt. Ihr angeschlossen befinden sich drei Stellplätze für Museumsbesucher.

 

Der Turnsaal (15 m x 27 m) ist im zweiten Obergeschoß untergebracht. Dieser Baukörper (1.+2. Geschoß) kragt über die im Erdgeschoß befindlichen Einfahrtstore aus und unterstreicht die Horizontalität des Gebäudes.

 

Der Glaskubus im 3. und 4. Obergeschoß ist an der Nordwestfassade gegenüber dem darunter befindlichen Baukörper und der Nachbargrundgrenze zurückversetzt, um den erforderlichen Lichteinfall an der lt. Flächenwidmungs- und Bebauungsplan vorgegebenen Baufluchtlinie zu gewährleisten (siehe Schnitt B-B).

 

 

KONSTRUKTION:

 

Stahlbeton mit hinterlüfteter Acrylglasfassade (1. + 2. OG) bzw. vorgehängte Glasfassade (3.+4. OG).

 

Langfristige Strategie sollte es sein, nach der Realisierung der jetzt anstehenden Erweiterung, in einer nächsten Phase über die zukünftige Entwicklung einer Bebauungsstruktur entlang der Kafka- und Vorgartenstraße, unter besonderer Berücksichtigung der städtebaulich sehr signifikanten Eckbebauung nachzudenken. Speziell der Bedeutung der Ausstellungsstraße müsste in diesem Zusammenhang mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden: Einerseits als städtische Achse und Grenzlinie zwischen gründerzeitlicher Blockrandbebauung und den Ausläufern des Wiener Praters (Volksprater und Messegelände) und andererseits deren „Verschwinden“ in einem Platz („Elderschplatz“), der als solcher nicht definiert ist.