Medizinische Universität Innsbruck-A

Neubau Haus für präklinische experimentelle Forschung

am Standort Peter-Mayr-Straße 4a-4b - 2022

3. Rang

EU-weiter, offener, einstufiger Realisierungswettbewerb

Lageplan
Lageplan

Projektbeschreibung

 

Städtebauliche Rahmenbedingungen:

 

An der städtebaulichen Schnittstelle unterschiedlicher Nutzungen, Maßstäben und Zeitschichten gelegen, soll sich das neu zu planende Gebäude sowohl einfügen als auch „behaupten“. Wobei die Herausforderungen nicht nur den über Terrain befindlichen, sichtbaren Stadtkörper betreffen, sondern auch die unter Niveau vorhandenen Untergeschoße des anschließenden Universitätsgebäudes.

 

Wesentliche Bedeutung kommt dabei der Einfügung des neuen Gebäudes in den Straßenraum der Peter-Mayr-Straße zu. Das Grundstück befindet sich hier in der Übergangszone vom üblichen gründerzeitlichen Straßenraumprofil der Blockrandbebauung im südlichen Teil und dem etwas „geöffneteren“ Straßenraum mit einseitigem Vorgarten im anschließenden, nördlichen Teil. Die sich hier stellende Frage, welche Baufluchtlinie hier aufgenommen wird bzw. wie auf diese Situation speziell reagiert werden soll, wird in dem vorliegenden Entwurf mit einer ost-west orientierten Schrägstellung des Bauteils Nr. 4A beantwortet, wodurch die an die drei Gebäudefassaden (N-O-S) anschließenden Freiräume ganz unterschiedliche Raumqualitäten aufweisen werden:

 

·         Im Norden wird durch den schräg gestellten Baukörper sowohl eine funktional als auch eine optisch „flüssige“ Wegverbindung von der Peter-Mayr-Straße zum barrierefreien Haupteingang des benachbarten Med. Uni Gebäudes und weiter zur Fritz-Pregl-Straße ermöglicht. Durch die Schrägstellung kann auch der freie Lichteinfall für die Räume des nördlich anschließenden Universitätsgebäude (Schöpfstraße 41) gewährleistet werden. Ebenso wird die Zufahrtsmöglichkeit erleichtert.

 

·         Die östliche Stirnseite des schräg gestellten Trakts bildet den Übergang vom einseitig begrünten Straßenraum im Norden, zum klassisch gründerzeitlichen Straßenraumprofil in der südlich weiterführenden Peter-Mayr-Straße. Die Bauflucht der Stirnseite wurde so gewählt, dass sie genau in der Flucht zwischen den beiden Gebäudeecken der anschließenden Bestandsgebäude liegt und somit einen fließenden Übergang zwischen den beiden unterschiedlichen Straßenräumen herstellt. Die Anordnung des Baukörpers signalisiert auch hier an der Straße eine gewisse städtebauliche Sonderstellung an der Schnittstelle von unterschiedlichen Zeitschichten, Maßstäben/Kubaturen und Funktionen.

 

·         Die Schrägstellung generiert an deren Südseite gemeinsam mit dem im Winkel dazu stehenden Gebäudeteil (Nr. 4B) und dem gegenüberliegenden Gründerzeitbau (Nr. 4) eine städtische Platzsituation, die durch seine sich zur Straße hin öffnenden Raumkanten eine einladende Geste zeigt. Diese Maßnahme verbessert, auch im Zusammenspiel mit dem Rücksprung des 3. OG´s, die Belichtungssituation des bestehenden Wohngebäudes (Nr. 4). Der so entstehende halböffentliche Vorplatz, welcher gleichzeitig als Erschließungsvorplatz für das gesamte Gebäude dient, kann so auch besser in den öffentlichen Straßenraum (Peter-Mayr-Straße) einbezogen werden.

 

Neben dem schräg gestellten Bauteil Nr. 4A übernimmt der Bauteil 4B die vorhandene Geometrie des westlich anschließenden Med. Uni-Gebäudes. Die zum begrünten Innenhof der gründerzeitlichen Blockrandbebauung orientierte Fassade übernimmt im EG die Geometrie des vorhandenen Kellergeschosses, während die Obergeschoße auf den erlaubten Mindestabstand von 4 m zur südlichen Grundgrenze vorspringen.

 

Die Westfassade folgt im EG ebenfalls der Geometrie des vorhandenen Kellergeschoßes, da sich in diesem Bereich ein bestehender Fluchtweg samt Nebeneingängen (Müll) bzw. Lüftungsauslässe befinden. Die Obergeschoße sind hier ebenfalls leicht auskragend, um einerseits das Raumprogramm optimal erfüllen zu können und andererseits um auch in diesem Bereich, so wie im gesamten Gebäudeentwurf, die Obergeschoße deutlich vom EG abzusetzen.

 

Durchwegung: Mit der Schrägstellung des Bauteils 4A soll eine attraktive, einladende Verbindung zwischen Peter-Mayr-Straße und Fritz-Pregl-Straße geschaffen werden. Entlang dieser Wegverbindung sind wie bisher alle erforderlichen Erschließungserfordernisse erfüllt.

 

Auf eine öffentliche Wegverbindung zwischen Bauteil 4A und 4B wurde zu Gunsten einer internen Funktionsoptimierung verzichtet.

 

Konstruktion:

 

Das Gebäude wird in Stb-Bauweise vorgeschlagen.

Eine Besonderheit des Entwurfs stellt die Auskragung der Nordwest-Ecke des neuen Gebäudes über das vorhandene Untergeschoß des westlichen Nachbargebäudes dar. Damit dies ermöglicht wird, nehmen die Schrägstellung des Bauteils Nr. 4A als auch das EG von 4B auf den Achsraster des anschließenden, bestehenden Untergeschoßes Bezug. Die dort befindlichen beiden Stützen (siehe Grundrisse und Ansichten) werden für die Abtragung der Lasten des neuen Gebäudes herangezogen. Dies kann durch relativ einfache Maßnahmen (Ertüchtigung des statischen Stützenquerschnittes und des Untergrundes) bewerkstelligt werden.

 

Die vorhandene Rohdeckenoberkante (Decke über 1.UG des Nachbargebäudes) ist ein weiteres, entscheidendes Kriterium, um diese Konzept realisieren zu können. Aus diesem Grund wurde im EG eine kleine Ausgleichsrampe mit ca. 6% zwischen Bauteil 4A und 4B (Bereich Waschanlage- Zentrale Wäscherei) vorgesehen, die im Gebäude die Höhendifferenz nachvollzieht, welche auch im Außenbereich auf Grund der Anhebung des barrierefreien Eingangsvorplatz des bestehenden Uni-Gebäudes vorhanden ist.

 

Funktionale Aspekte:

 

Auf Grund der Komplexität der Funktionsabläufe folgt der Entwurf in seinen wesentlichen Funktionszuordnungen den vorliegenden Studien. Dies trifft im Speziellen auf die Gliederung der „reinen“ und „unreinen Bereiche“ zu. Im EG wurde jedoch der Trafobereich an die Peter-Mayr-Straße verlegt. Dadurch entsteht entlang des Gehsteigs ein erweiterter urban nutzbarer Freibereich.

Die Müllräume wurden beide zwischen Nr.4A und 4B gelegt, sodass die beiden sowohl über den östlich gelegenen Ladebereich oder auch mittels einer außenliegenden Ausgleichsrampe in nordwestlicher Richtung bedient werden können.

Im 1.UG wurde auf eine funktionale Entkoppelung zwischen der beiden Bereich VfaT (Eingang 4B) und dem „Hausinternen Zugang“ (Eingang 4A) vorgeschlagen.

Die Stiege EG-1.OG wird als dreiläufige Stiege konzipiert.

 

Architektonische Aspekte:

 

Das Gebäude besteht aus funktional klar unterschiedenen Unter- und Obergeschoßen: Im EG befinden sich alle erforderlichen Zu- und Ausgänge samt Infrastruktureinrichtungen, im 1. +2. OG die eigentlichen Forschungsbereiche, im 3.OG die Administration mit dem Lehrbereich und im zurück versetzten Dachgeschoß sind die Technikflächen untergebracht.

Dieser klaren funktionalen Gliederung folgt auch die Fassadengestaltung:

·         Das EG ist von den Obergeschoßen zurückversetzt. Lediglich an der Nordfassade (Bereich Waschanlage) ist die Fassade mit den OG´s bündig gesetzt, jedoch durch ein durchgehendes Oberlichtband von diesem abgesetzt. Durch die Rückversetzung des EG´s ergeben sich geschützte Freibereiche für die Gebäudezugänge und Fahrradabstellplätze.

·         Das 1. und 2. OG benötigen auf Grund ihrer Nutzung nur sehr wenig Tageslicht. Lediglich die Gangbereiche werden durch raumhohe Fenster, die mit Falt-Schiebeelemente beschattet werden können, natürlich belichtet.

·         Im Gegensatz dazu benötigt das 3. OG mit seinen Büro- und Unterrichtsräumen wieder ausreichend Tageslicht. In den Ansichten setzt sich deshalb dieses Geschoß mit einer bündig in der Fassadenebene vorgesetzten hinterlüfteten Glasfläche deutlich von den beiden darunter liegenden ab. Dieses umlaufende Glasband bildet auch den Windschutz für die dahinter liegenden Sonnenschutzscreens.

Das einheitliche Oberflächenmaterial der Fassade wird in einer strukturierten bzw. perforierten Metallverkleidung vorgeschlagen, wobei in verschiedenen Bereichen des EG´s und auch des Stiegenhauses 4B (Südseite) eine Fixmontage vor den dahinter liegenden Fenstern denkbar ist.

Kfz-Stellplätze: Auf Grund der beschränkten Platzverhältnisse ist eine Unterbringung der geforderten 5 barrierefreien Kfz-Stellplätze am Grundstück zwar prinzipiell möglich, jedoch mit einem erheblichen Verlust an Freiflächenqualität verbunden. Es wäre daher zu überlegen, ob nicht die direkt vor dem Grundstück an der Peter-Mayr-Straße gelegenen 3 Kfz-Stellplätze zweckgebunden für Behindertenfahrzeuge aus-, bzw. an andere Stelle nachgewiesen werden können. Unter der Akzeptanz eines deutlichen Freiflächenverlustes wäre auch an der Nordseite des schräg gestellten Baukörpers 4A an Stelle des hier vorgeschlagenen neuen Pflanzbeetes die optionale Längsaufstellung dreier barrierefreier Kfz-Stellplätze denkbar.

Fahrradstellplätze: Auch hier gilt, dass auf Basis der beengten Platzverhältnisse, gepaart mit dem großen Bedarf an Fahrradabstellmöglichkeiten, eine komprimierte Lösung gefunden werden muss. Aus diesem Grund werden in dem Entwurf höhenversetzte Abstellanlagen vorgeschlagen, die auf gleicher Fläche doppelt soviel Fahrräder als bei niveaugleichen Stellplätzen unterbringt. In Summe 79 Fahrradstellplätze, davon ca. 56 überdacht.

 

Ökologische Aspekte /Nachhaltigkeit:

 

Die Ausgestaltung der Dachlandschaft gilt besondere Aufmerksamkeit. Da es im Bereich der Außenanlagen im EG ein Übermaß an befestigten Flächen gibt (Anlieferung, Stellplätze, Feuerwehrzufahrten...), werden die Dachflächen über dem 3.OG als Gründächer angedacht, mit einer Pflanzsubstrathöhe, die eine Bepflanzung von ca. 60-80 cm Höhe erlaubt. Die Bepflanzung wäre nicht nur von den Obergeschoßen des anschließenden Med. Uni-Gebäudes sichtbar, sondern auch vom Straßenraum. Das Technikgeschoß am Dach wird in zwei verschiedenen Höhen vorgeschlagen, um die Staffelung der Kubaturen des Gesamtgebäudes zu verstärken. Auf dem Dach des höheren Technikgeschoßes (über 4B) wäre die Unterbringung einer PV-Anlage denkbar, wobei im Detail noch zu klären sein wird, wo eingehauste bzw. offene Technikflächen (Deflektoren, etc.) vorzusehen sind.

 

 

Nettoraumfläche Neubau:  4.490 m²